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Über 3.000 Militärpolizisten gingen in Tianjin gegen rund 100 Tibeter vor, die gegen einen Wirtschaftsbetrug demonstrierten.


Die Polizei in China hat nahezu 100 Tibeter, die vor einem Unternehmen in Tianjin im Nordosten Chinas protestierten, gepackt und in Busse verfrachtet. Man habe sie mit Hilfe des Schneeballprinzips hinters Licht geführt, sagte der Sprecher der Gruppe Tsephel.

„Wir befinden uns jetzt in Tianjin.


Ich wurde in einen Bus gesetzt, und wir fahren gleich nach Chengdu ab“, sagte Tsephel weiter. „Alle tibetischen Protestierenden wurden in diverse Fahrzeuge verfrachtet. Um 5 Uhr früh, als wir alle noch schliefen, griffen uns über 3.000 Militärpolizisten an. Sie schlugen uns, legten uns in Handschellen und stießen uns in diverse Fahrzeuge. Über 100 Fahrzeuge standen auf dem Parkplatz der Firma“, berichtete er in einem Telefongespräch.

Tsephel schätzte die Zahl der Protestierenden auf 90 Personen. Die Polizei schlug einige von ihnen und zerrte sie in die wartenden Fahrzeuge. „Viele von uns erlitten Verletzungen, einer verlor sogar das Bewußtsein und stürzte zu Boden“.

Die per Telefon kontaktierte Polizei am Ort war zu keiner Auskunft bereit und legte den Hörer sofort wieder auf. Regierungsvertreter, die nach Tianjin kamen, hatten vergeblich versucht, die Leute von ihrem Protest abzuhalten.

„Sie [die Offiziellen] kamen aus der Autonomen Region Tibet, aus Qinghai und Sichuan“, fügte Tsephel hinzu. „Sie waren beauftragt worden uns zu überreden, unseren Protest einzustellen. Als wir mit ihnen sprachen, drückten sie nur ihr Unvermögen, uns zu helfen, aus“.

„Ich denke, wir werden nun per Bus und Eisenbahn nach Chengdu transportiert. Von dort werden wir den jeweiligen örtlichen Behörden übergeben“, fuhr Tsephel fort. „Wir werden von der Regierung fordern, uns für den Verlust zu entschädigen. Wir können nicht einfach schweigen. Jeder sollte 100.000 Yuan Entschädigung erhalten“.

Die Tibeter, die von einem vermeintlichen Heilmittelhersteller, der ihnen ein Schneeballsystem aufgebunden hatte, betrogen wurden, hatten in mehreren chinesischen Städten protestiert.

Sie forderten am Sitz der Gesellschaft in Tinajin Erstattung von TIENS. Die tibetischen Investoren sagten, ihnen seien für anfängliche Investitionen lukrative Gewinne versprochen worden, aber sie hätten am Ende gar nichts bekommen.

Diejenigen, die auf Anweisung des Unternehmers noch weitere Investoren anschleppten, mußten zusehen, wie auch ihre Freunde und Verwandten um ihr Geld gebracht wurden. Die Behörden in Tianjin und die Verantwortlichen der TIENS-Gesellschaft weigerten sich, Stellung zu nehmen.

Tsering Dhargyal, 54, aus dem Bezirk Chamdo in Kham, TAR, sagte, die Tibeter beabsichtigten, vor Gericht zu gehen. Das Unternehmen sei im Jul 2007 an sie herangetreten und hätte sie gedrängt, die Möglichkeit zur Investition zu nutzen. Mehrere Tibeter aus Lhasa, aus Kham und Amdo setzten ihr Geld ein.

„Für einen anfänglichen Geldeinsatz von 2.800 Yuan (US$ 410) pro Person versprach man uns reiche Gewinne. Sie bezeichneten es als ein großes Familiengeschäft, das nicht nur dem tibetischen Volk, sondern der ganzen Nation zugute käme. Wir glaubten ihnen, kratzten unsere Moneten zusammen und stiegen in das Geschäft ein“, sagte Dhargyal.

Laut Tsering Dhargyal habe TIENS den Investoren erklärt, daß sie gar keine Produkte zu vertreiben hätten, sondern statt dessen „mit Hilfe von Menschen“ Geschäfte machten.

„Als ich alleine ankam, sagten sie, es sei nun meine Aufgabe, zwei andere Personen zu bringen. Und diese müßten wieder zwei weitere bringen, und das ginge so fort und fort, bis es Tausende würden“.

Die Investoren sollten auf der Basis der Anzahl der Leute, die sie rekrutierten, entlohnt werdeb, aber die Tibeter begriffen bald, daß es unmöglich war, die ihnen von TIENS gesetzten Quoten zu erfüllen. Er habe seine gesamten Habe verkauft, um das Geld in die Gesellschaft zu investieren und an den Schulungen teilzunehmen.

„In der Hoffnung, reich zu werden, verkauften wir unser Land und unsere Tiere, um die Kosten für die Fahrt nach China zu decken, aber jetzt ist uns klargeworden, daß wir an der Nase herumgeführt wurden“.

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Quellen:
IGFM München
Radio Free Asia

Tags: China, Festnahmen, Protest, Schneeballsystem, Tianjin, Tibet, Tibeter, Verhaftung

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